Das Mosaik, das die Welt verändert

Vor zwei Tagen ist was komisches passiert.
Zum ersten Mal seit Jahren ging ich auf meinen Dachboden.
Die Dielen quietschten und ein flüchtiger Anfall von Angst erfüllte mich.
Doch oben herrschte eine so friedvolle Atmosphäre, dass es kaum real sein konnte.
Ich öffnete eine Schublade einer alten Kommode, die ich noch nie zu vor gesehen hatte.
Und da war er. In Tüchern gehüllt. Ganz still.
Ich hielt ihn für einige Sekunden in den Händen.
Er glitzerte und schimmerte unaufhaltsam.
Seine unverkennbare Schönheit erfüllte den Raum.
Er raubte mir den Atem und mein kleines Herz klopfte dröhnend in meinen Schläfen.
Es war der perfekte Moment, um zu glauben, dass alles gut wird.
Es war der perfekte Moment, um inne zu halten und die kleinen, nicht komplett perfekten, Situationen des Lebens in vollen Zügen zu genießen.
Es war der perfekte Moment, um den Raum mit Liebe zu überfluten.
Sie drang in jedes kleine Loch an der Wand und füllte jede Lücke der Holzverkleidung.
Es bildete sich Gänsehaut auf meinem Nacken und meine Hände fingen an zu zittern.
Ich hätte nie gedacht, dass der Weltfrieden auf meinem Dachboden lag.
Ich war so verunsichert – verständlich, denn ich hatte die gesamte Zukunft der Menschheit, seit wer weiß wie lange, nur einige Meter über meinem Schlafzimmer rum zu liegen. Ohne es zu wissen. Bis jetzt. Aber was sollte ich nun eigentlich tun?
Ich entschloss mich in Sekunden dazu, ihn für eine kleine Weile versteckt zu halten, um ihn erst dann frei zu lassen, wenn er auch wirklich in Sicherheit war.
Für diese Sicherheit musste ich erst noch sorgen.
Doch ich konnte meinen Plan nicht ausarbeiten, denn auf einmal flog die Tür auf.
Ein großer Mann warf seinen Schatten auf meinen Körper.
Er lief hastig auf mich zu, entriss mit den Frieden mit einem heftigen Ruck und zerschmetterte ihn bedingungslos an der Wand.
Es klirrte ohrenbetäubend und draußen ertönte Applaus.
Ich glitt zu Boden. Die kleinen Teile des Friedens durchtrennte meine Jeans und bohrten sich in meine Haut. Es tat so weh. Aber nicht so schlimm weh, wie der Gedanke an die Zukunft.
Ich konnte den Frieden nicht beschützen. Ich war so schwach. So einfach war es mir ihn zu entreißen. Wie konnte das bloß passieren? Ich hätte ihn sofort frei lassen sollen, anstatt zu denken, ich hätte noch genug Zeit, um ihn zu beschützen.
Alles verschwamm vor meine Augen. Mir war so schwindelig.

Plötzlich hörte ich „Taps – Geräusche“ neben mir und guckte meinem Hündin Flora direkt in die Augen. Müde hob ich meine Hand und streichelte sanft über ihr Fell.
Liebe erfüllte jede Faser meines Körpers. Es war nicht alles verloren. Nicht alles.

Seit diesem Moment sitze ich nun auf dem Boden und sammle die Stücke zusammen. Ich werde wohl noch eine Weile hier sitzen und zusammen sammeln, was zusammen gehört. Aber vielleicht entsteht ja am Ende ein schönes Mosaik. Wer weiß. blog32

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