Don’t be dramatized by circumstances that do not dramatize you

I am moving in a world of hate, but I plant a flower right here. Is that okay with you?

Warum kann ich eigentlich Schmerz so viel mehr spüren als Freude?
Warum kann ich nicht über die Dinge sprechen, die mich peinlich berühren?
Weiblichkeit sollte im Umkehrschluss bedeuten, dass wir Scharm durch Stolz ersetzen. Oder? Aber wie viel biografisches ist eigentlich im eigenen Text erlaubt?

Fangen wir doch einmal von vorne an.

Ich laufe über die Straße und vergesse etwas. Dramatisch drehe ich mich fünf mal im Kreis, schlage meine Hand gegen meine Stirn, nur um den Menschen (ich sehe keine, aber es könnte ja jemand aus dem Fenster schauen) zu symbolisieren, dass die bedingte Umkehr meines Weges durch das Vergessen eines Objektes bestimmt ist. Ich kann ja nicht einfach so umdrehen. Das wäre doch irgendwie komisch. Oder?

Also laufe ich zurück, stolz durch meine Darbietung ohne Applause, stolz auf meine Bühne ohne Publikum. Nur um mein eigenes Handeln zu rechtfertigen.

Körpersprache ist doch sowieso das einzig Wahre.

In der Lehre und im Alltag wird Sprache oft dazu eingesetzt jemanden und etwas zu distanzieren. In den Disziplinen der Kunst ist das anders. Ich spreche und ich fühle wie sich die Augen meines Gegenübers mit Wasser füllen und wie er sich in meinen Worten einbettet, als wären sie Zuckerwatte. Das ist wundervoll.

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Ihre versteht die Welt nicht mehr – ich sag euch warum

colorful bricksEin ganz normaler Start in den Tag. Ich renne meinen Nachbarn um, weil ich in Gedanken stetig an meinem Luftschloss baue. Ich verspreche ihm entschuldigend ein großes Schlafzimmer im Nordturm und laufe zum Bäcker. Dort kaufe ich ein kleines Stück Urlaub in Form eines Erdbeertörtchen und bekomme sogar meine Bahn.
Man hätte meinen können es wird ein schöner, normaler, ereignisarmer Tag.
Doch diese idyllische Stille sollte nur die Ruhe vor dem Sturm sein.
Denn mein lauwarmes Bad im gemütlichen Alltag nahm eiskalt ein erprobtes Ende als sich zwei Mädchen in der Bahn nehmen mich setzten. Sie unterhielten sich lautstark. Beim dem Versuch nicht hin zu hören kapitulierte ich inständig.
„Was machst du denn zu deinem Geburtstag?“, fragte die eine.
„Meine Mom hat eine Schnipsel Jagt für uns geplant“, lautete die Antwort.

(Dramatische Pause)

Es war um mich geschehen. Eine SCHNIPSEL JAGT? Ich musste so laut anfangen zu lachen, dass sich die gesamten Passagiere panisch zu mir umdrehten.

Denn lieber Leser, ich kann mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass ich nicht die einzige bin, die dachte, dass das lustige Spiel, bei dem man durch Spätis und Bäcker rennt SCHNITZEL JAGT heißt. Ich bin mir immer noch nicht sicher wer hier Recht hat. Das Mädchen oder ich. Obwohl Schnipsel Jagt zu meinem Bedauern sehr viel mehr Sinn machen würde. Außer ihre Eltern sind Metzger. Ok, der war nicht.

Ich stieg eine Station früher aus, weil ich frische Luft brauchte. Erschöpft ließ ich mich auf einer Bank nieder. Ich kramte zunächst in meiner Handtasche nach einem Stift und anschließend in meinem Gehirn nach den größten sprachlichen Missverständnissen meiner Kindheit, Jugend und ja, auch meines Erwachsenseins.

1. Die Postleitzahl war für mich lange die Postleihzahl. Logisch, denn wer auch immer ein Brief versenden möchte, muss sich bei der Post vorher eine Zahl leihen, damit der Brief auch ankommt.

2. Das Zweite was mir einfiel, ist einer Ringbahnstation: Der Insbrucker Platz. Meine geografischen Kenntnisse als Kind reichten von Zuhause zur Grundschule und wieder zurück. Die Klassenfahrten gingen zum Wannsee und ein Ausflug zum Ikea in Spandau dauerte „Stunden“. (Das in Ikea in Tempelhof existierte damals noch nicht). Anyways, anstatt Insbrucker Platz verstand ich Insburger Platz. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass hier mal einer Burg stand und der Name davon abgeleitet wurde. Als ich das Bahnhofsschild zum ersten Mal „richtig“ lass, kippte ich vor Schreck fast vom S-Bahnsitz. Ich sollte das Bahnfahren lassen.

3. Der Schilderwald des deutschen Verkehrssystems ist wenigstens eine minimale Entschuldigung für das nächste Missverständnis meiner Kindheit. Gas weg Schule. Dazu ein Tempolimit von 30.
Ich habe wirklich lange, viel zu lange, gedacht, dass es unter der Straße neben der Schule eine Gasleitung gibt, die durch zu große Erschütterung explodieren könnte. Daher mussten Autos langsamer fahren.

4. Das nicht alle Menschen nur immer gute Absichten haben, wurde mir in der Grundschule eingetrichtert. Wieso böse Menschen dann aber eine Freiheitsstrafe bekamen, war mir sehr lange ein Rätzel. Warum um Himmels Willen wird jemand mit Freiheit bestraft. Nicht nachvollziehbar.

5. Ich dachte bei Gehwegschäden handelt es sich um Personen, die traurig sind, weil jemand gegangen ist. Ich Romantiker.

Für das eventuell bröckelnde Weltbild übernehme ich keine Haftung.

P.s. An und Pfirsich ist heute ein guter Tag