Ich würde ja, wenn ich könnte, aber ich will nicht.

Kurz habe ich nicht aufgepasst. Ganz kurz dachte ich, ich könnte den Eiswürfel-Flamingo in meinem Glas zugucken, wie er geschickt auf einer kleinen Welle hin und her wippt. Kurz habe ich mich in Sicherheit gedacht. Das Blaulicht ignoriert. Die Menschen ignoriert, die ihre tanzwütigen Körper an mir vorbeischoben. Kurz war ich ganz alleine. Dann sah ich dich.
Du standest am anderen Ende des Raumes. Deine langen Haare wellten sich sobald sie die Schultern erreichten. Deine blauen Augen starrten mich an. Nur Sekunden später realisierte ich, wie ähnlich du mir warst. Deine orange Hose bis zu den Knien hochgekrempelt. Deine zerknitterte Bluse in die Hose gesteckt. Deine Hände in stetiger Bewegung.

Ich schreibe viel über die Traurigkeit. Aber dieses mal nicht. Heute nicht. Heute ist nämlich der schönste Tag meines Lebens. Und Morgen ist auch der schönste Tag meines Lebens. Und Übermorgen…auch. Oft habe ich das Gefühl nicht in diese Welt zu passen. Das ist gut so. Ich möchte sie nämlich verändern. Wenn wir alle in sie hineinpassen würden, dann wären wir nur ein weiteres Teil eines Puzzles, welches irgendwann fertig ist. Welches, wenn es ganz schlimm kommt, fixiert irgendwo an einer Wand hängt. In einem dunkelbraunen Bilderrahmen.
Ich möchte kein Teil eines fertigen Puzzles sein. Ich möchte ein Teil einer Vision sein. Einer Vision, die nach einer Mischung aus Weinblättern und Pistolenpulver riecht.

Gestern habe ich eine kleines Liebesgeständnis in einer Ananas geritzt. Langsam bohrte sich das Messer durch die Schale und hinterließ Fugen der Kommunikation. Erst als ich fertig war bemerkte ich, dass die Idee nicht ausgereift war. Zitrusfrüchte dürfen nämlich nicht ins Flugzeug. Jetzt kann ich sie dir nicht geben. Die Ananas. Die Nachricht.
Aber das ist okay. Vielleicht werde ich dich einfach küssen. Und vielleicht wird der Kuss einfach ein bisschen nach Ananas schmecken. Und vielleicht ist das auch schon alles worum es hier geht.

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I’m not happy. You are.

Traurigkeit ist ja so Mainstream. Das war vielleicht mal cool in 2017.

Das Schlimmste am traurig sein ist, das es so wenig originell ist. Weinen. Nichts essen. Whatsapp – Nachrichten nicht beantworten. Nicht mehr weinen. Im Bett liegen bleiben. Phantomschmerzen erzeugen. Echte Schmerzen ignorieren.

Ich muss aufstehen. Nehme mir stark vor vom Imbiss Pommes zu kaufen.
Elon Musk hat in der Zeit, in der ich überlegt habe meine Zähne zu putzen bestimmt eine Rakete gebaut, die allein mit Sonnenenergie zum Mars fliegen kann. Musk retten die Menschheit. Ich rette mein Bett vor der Einsamkeit. Deal!

Der Weg zum Bad ist heute besonders steinig. Ich steige über einen schlafenden Menschen, der im Flur neben einer leeren Mate Falsche liegt. Jetzt merke ich meine Kopfschmerzen. Au.

Draußen scheint die Sonne. Die Pommes habe ich an der Bushaltestelle liegen lassen.
Ich suche deinen Namen am Klingelschild. Er steht dort neben sieben anderen. Ich bin mir aber sicher, dass es nur eine dreier WG ist. Naja vielleicht haben die anderen ja mehrere Persönlichkeiten. Soll es auch geben.

Du stehst im dämmrigen Licht deines fensterlosen Flurs. Ich falle dir in die Arme.
Alles was ich will ist bleiben und auf deinem Röhrenfernseher Aufzeichnungen von längst vergangenen MTV Shows sehen. Dann will ich mich unter deiner Wolldecke an deine Brust kuscheln und einschlafen, währenddessen du mir mit deinen Fingerspitzen über den Rücken streichst.

In meinen Träumen werde ich mich alleine fühlen, aber alles wird leuchten. Das schlimmste an der Traurigkeit ist, dass sie so wenig originell ist. Niemand hat mehr Bock drauf. Jeder hat’s schon tausend Mal gesehen.

Ich wache auf – lasse die Augen zu. In Gedanken male ich ein imaginäres Herz mit Lippenstift um deinen Bauchnabel.

Das tut gut.

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Don’t be dramatized by circumstances that do not dramatize you

I am moving in a world of hate, but I plant a flower right here. Is that okay with you?

Warum kann ich eigentlich Schmerz so viel mehr spüren als Freude?
Warum kann ich nicht über die Dinge sprechen, die mich peinlich berühren?
Weiblichkeit sollte im Umkehrschluss bedeuten, dass wir Scharm durch Stolz ersetzen. Oder? Aber wie viel biografisches ist eigentlich im eigenen Text erlaubt?

Fangen wir doch einmal von vorne an.

Ich laufe über die Straße und vergesse etwas. Dramatisch drehe ich mich fünf mal im Kreis, schlage meine Hand gegen meine Stirn, nur um den Menschen (ich sehe keine, aber es könnte ja jemand aus dem Fenster schauen) zu symbolisieren, dass die bedingte Umkehr meines Weges durch das Vergessen eines Objektes bestimmt ist. Ich kann ja nicht einfach so umdrehen. Das wäre doch irgendwie komisch. Oder?

Also laufe ich zurück, stolz durch meine Darbietung ohne Applause, stolz auf meine Bühne ohne Publikum. Nur um mein eigenes Handeln zu rechtfertigen.

Körpersprache ist doch sowieso das einzig Wahre.

In der Lehre und im Alltag wird Sprache oft dazu eingesetzt jemanden und etwas zu distanzieren. In den Disziplinen der Kunst ist das anders. Ich spreche und ich fühle wie sich die Augen meines Gegenübers mit Wasser füllen und wie er sich in meinen Worten einbettet, als wären sie Zuckerwatte. Das ist wundervoll.

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Du bist die Kunst in deinem Kopf

Du bist die Kunst in deinem Kopf –
und doch hält dich etwas auf.
Die Welt um dich herum ist trist
drum streust du Glitzer drauf.

Aber auch, wenn alles glänzt und funkelt,
in deiner Brust sich dein Herz in Wahrheit verdunkelt.
Den dein Feind steht in der Ecke – er munkelt,
du seist so glücklich in deinem Palast,
seine Augen strahlen, wenn er den Marmor anfasst.
Und mit seinen Fingern über den goldenen Tellerrand streicht,
denkst du an vergangene Tage zurück – denn es war mal leicht
zu lachen, Grimassen zu machen, ein Feuer zu entfachen
in deinem Herzen, ohne den Besitzt von tausenden Sachen.

Nun stehst du in deinem Kleiderschrank,
hier sieht man keinen Fleck der Wand,
denn Klamotten hängen in allen Farben,
schon lange heilen sie deine Narben.

Ziehst du ein Kleid an, so denkst du an einen anderen Körper,
der sich langsam an deinen schmiegt,
bedingungslose Wärme, die dich langsam in deine Träume wiegt.
Und bindest du Schnürsenkel zu einer Schleife,
so riechst du den vergangenen Duft von Mamas Seife,
der ihre Haare umschließt,
wenn sie vor dir kniet,
und deine Schuhe zu zieht.

Ja, deine Ringe glitzern am Hellsten
und dein Auto fährt am Schnellsten,
doch Abends im Bett bist du allein
und alles was du dann willst,
ist Teil einer Familie zu sein.

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I am not crazy, I am just a little unwell

This is a part of s screen play I am writing at the moment. Not sure if the final version will be in english or german though. Let me know what you think. 

„I am not crazy, I am just a little unwell.

Do you remember Grace from 9th grade? She did great things?

And she looked great and she smelled great and when you look at her you’ve got faith in humanity. But all that was stupidity. Because with my awkward identity – I was never able to become friends with her.

Do you remember her wavy hair? Oh my god – all the boys. They still stare. I bet.
And than one day I met,
her mom and she. OMG. She is so gorgeous.
They both have the same brown eyes.

And they both are telling these unforgiving, painful lies.
With their perfect red lips and their perfect cat hips
And they said all these beautiful things to me. Right?

Like they said I could do it. They said I could be however I want to be.
But that was far from being true.
Because they were never in trouble with the judgement of this unforgiving society.
They grew up being awesome in everything they’ve done, touched or build.

And I don’t know.

All I can do is to lay awake, to stare at my sealing. Not able to move a single bone. Just wishing, painfully wishing, I could be them. Just for a minute.“

Inken_AlexKleis (42 von 75)

LAUT

Jeder kann laut, aber was ist mit denen, die ganz leise sind?
Und wie ein Kind, geschwind durch deine Gehirnfasern rinnt,
die Erinnerung an dich und mich nachts um halb eins,
Fuck man – was ist passiert? ich war so lange deins,
oder du meins, aber du scheinst, schon so lange vereist,
in deinen eigenen Gedanken.
Ich wollte mehr.
Ich will mehr.
Ich will ein Gott-verdammtes Heer
an Möglichkeiten.
An Möglichkeiten, die mich reinreiten, in die Besonderheiten
des Lebens.
Ich brauche schöne Menschen, die schöne Dinge tun,
die schöne Sachen machen,
die in mir ein Feuer entfachen,
die nicht warten mit ihren Taten die neu-gemischten Katen,
zu wenden und den Hass zu beenden,
der uns jeden Tag klein hackt.
Nein, ich will ein Leben unplugged.
So ein verdammt Echtes, das mich nicht upfucked.
Und dann traf ich dich.
Du…
Mir fehlen die Worte,
du führst mich an Orte,
die mich nicht verstehen.
Die ich nicht verstehe.
In Gedanken ich mich drehe, bis mir schlecht wird.
Aber ein gutes schlecht, weißt du?
Ist das verständlich?
Dass ich endlich,
irgendwie glücklich bin.
Ja, meine Gedanken sie drehen sich im Viereck,
du bist das Abenteuer, doch ich kenne schon lange dein Versteck.
Lass uns gemeinsam frei sein.
Ob das nun grausam oder ratsam für Gradzahlen unsere Herzen ist,
können wir nicht ahnen und müssen über die Bahnen der Erfahrung selber renne,
um die Fahnen der Erinnerung in den Boden zu brennen
– auf dem wir stehen und auf dem wir immer weiter gehen.
Denn Stillstand, ist der Treibsand in dem das Glück versank.
Stillstand ist der Tellerrand, über den man keinen Blick versandt.
Stillstand steht uns nicht.
Also lege ich meine Worte in deine Hände.
Halt sie ganz fest, bitte bis zum Ende.
Inken_AlexKleis (51 von 75)

…überleben wir, um die Kunst voranzutreiben? Oder leben wir damit die Kunst uns vorantreibt?

Wir wollen so viel verstehen und sind am Ende doch ganz alleine mit unseren Gedanken. Es ist ein harter Strudel an undankbaren Momenten, die uns bis zum Hals einschließen und nicht mehr los lassen.

Ich möchte dich dazu bringen mich zu mögen. Aber diese Illusion wird nicht zu einem tragenden Pfeiler meines Lebens. Denn nur du allein bestimmt, wen du liebst. Es ist nicht realistisch jemanden gezwungen zu vergöttern. Generell ist es ein Akt der Unmöglichkeit gezwungene Emotionen zu produzieren oder hervorzurufen. Erzwungene Emotionen sind immer eine Lüge.

Ich schlafe wieder mit einem Gefühl der Einsamkeit ein. Doch das allein sein ist nicht das wovor ich mich fürchte. Nur zu zweit einsam sein ist der spitze Flügelschlag, der meine Haut durchtrennt.

Bitte sag mir…überleben wir, um die Kunst voranzutreiben? Oder leben wir damit die Kunst uns vorantreibt?

Ich bin müde von den Wörtern, die über meinen Computer Bildschirm schnellen. Viel lieber würde ich das Meer sehen. Heute einfach nur das Meer sehen.IMG_5765

Ein lieblicher Klang

Der Raum ist voller ausdrucksloser Persönlichkeiten
und voller unterdrückter Emotionen.
Die Wärme ist Zauber und Verrat.
Die Liebe ist Trägheit und Sünde.
Und das Verlangen ist pure Ironie.
Wir lernen es wohl nie,
uns dem Glück zu ergeben
und nach Sinnlichkeit zu streben.
Ich umschlinge deinen Körper und
halte ihn so fest ich nur kann.
Denn der Moment ist ein flüchtiges Spiel
ohne Gesicht und ohne Ziel.Processed with VSCO with p5 preset

Regen

So lieblich sich die Tropfen der kühlen klaren Flüssigkeit durch deine Kleidung ziehen, so störrisch prallen sie an anderer Stelle auf den aus Steinplatten gelegten Weg.
Die kühle Luft umschließt das Wasser mit leidenschaftlicher Bestimmtheit.
Er legt sich bedrohlich in einer flachen Decke auf die umliegenden Felder und rast dir durch Böen befähigt unaufhaltsam ins Gesicht.
Er trägt eine unheimlich lieblich klingende Stille, zeitweise durchbrochen von einer prasselnden Melodie.
Ein grauer Schleier hat sich über das Tal gelegt und der verführerische Duft von durchnässten Wachstum liegt in der Luft.
Regen ist laute Ruhe! Ein unangenehm feuchtes Lebenselixier.
Doch Regen ist nicht gleich Regen. Es reicht von zerstörerischer Wut bis hin zu winzigen, seicht in der Luft tanzenden. Regen ist zudem eine Entstehungsquelle von unzähligen Möglichkeiten. Die Reise eines einzelnen Regentropfens ist durch eine Unzahl an willkürlich auftretenden Gegebenheiten beeinflusst. Auch das Ankommen auf der Erde stellt den Tropfen vor eine ungewisse Zukunft. Landet er auf gelockertem Waldboden – so sickert er sofort hinab in die Tiefe. Doch landet er auf Stein, so wird die Sonne ihn bei der nächsten Gelegenheit dazu bringen seinen Aggregatzustand zu verändern.

Regentropfen habe eine vergleichsweise kurze Lebensdauer. Doch sie legen in ihrem kurzen Dasein, eine lange ungewisse Reise zurück. Bildschirmfoto 2018-05-26 um 13.03.10