LAUT

Jeder kann laut, aber was ist mit denen, die ganz leise sind?
Und wie ein Kind, geschwind durch deine Gehirnfasern rinnt,
die Erinnerung an dich und mich nachts um halb eins,
Fuck man – was ist passiert? ich war so lange deins,
oder du meins, aber du scheinst, schon so lange vereist,
in deinen eigenen Gedanken.
Ich wollte mehr.
Ich will mehr.
Ich will ein Gott-verdammtes Heer
an Möglichkeiten.
An Möglichkeiten, die mich reinreiten, in die Besonderheiten
des Lebens.
Ich brauche schöne Menschen, die schöne Dinge tun,
die schöne Sachen machen,
die in mir ein Feuer entfachen,
die nicht warten mit ihren Taten die neu-gemischten Katen,
zu wenden und den Hass zu beenden,
der uns jeden Tag klein hackt.
Nein, ich will ein Leben unplugged.
So ein verdammt Echtes, das mich nicht upfucked.
Und dann traf ich dich.
Du…
Mir fehlen die Worte,
du führst mich an Orte,
die mich nicht verstehen.
Die ich nicht verstehe.
In Gedanken ich mich drehe, bis mir schlecht wird.
Aber ein gutes schlecht, weißt du?
Ist das verständlich?
Dass ich endlich,
irgendwie glücklich bin.
Ja, meine Gedanken sie drehen sich im Viereck,
du bist das Abenteuer, doch ich kenne schon lange dein Versteck.
Lass uns gemeinsam frei sein.
Ob das nun grausam oder ratsam für Gradzahlen unsere Herzen ist,
können wir nicht ahnen und müssen über die Bahnen der Erfahrung selber renne,
um die Fahnen der Erinnerung in den Boden zu brennen
– auf dem wir stehen und auf dem wir immer weiter gehen.
Denn Stillstand, ist der Treibsand in dem das Glück versank.
Stillstand ist der Tellerrand, über den man keinen Blick versandt.
Stillstand steht uns nicht.
Also lege ich meine Worte in deine Hände.
Halt sie ganz fest, bitte bis zum Ende.
Inken_AlexKleis (51 von 75)

Die Stille

Es ist schon spät und ich liege mit dem Bauch voran auf meinem Bett.
Draußen ziehen große schwarze Vögel am bunten Abendhimmel ihre Kreise.
Ich schließe die Augen und höre leise, wie die Stille eine sinnliche Melodie spielt.

Gestern, gestern habe ich sie zum ersten Mal gesehen – seit dem dunkelsten Tag meines Lebens.

Ich ging am Spielplatz vorbei.
Er ist ein Ort der verehrenden Unruhe.
Ein verlassenes Plätzchen Erde.
Schon lange erklingen hier keine Kinderstimmen mehr.
Denn ich lebe in einer Gemeinde, die fast Menschenleer ist.
Schuld daran – die Dürre, die sich vor einiger Zeit langsam aber beständig in unsere Häuser, Straßen, Körper und Seelen nagte.

Ich habe kaum etwas zu essen, geschweige denn etwas zu trinken.

In den Städten haben sie eine künstliche Flüssigkeit entwickelt, die Menschen am Leben hält. Doch sie werden alle krank. Sie leben, aber sie sind krank.

Ich bin hier geblieben. Ich bringe es einfach nicht übers Herz das Haus zu verlassen indem ich einst so glücklich war. Ich wandere oft alleine durch die leeren Zimmer und kann die Anwesenheit meines Mannes in kleinen vergänglichen Momenten spüren. Ich erinnere mich wie er dort drüben am Fenster stand und die Erdbeerpflanzen auf dem Fensterbrett goss. Er warf mir einen liebevoll neckischen Blick zu. Das Sonnenlicht verfing sich in seinem Haar und die Sommersprossen auf seinen Wangen leuchten dominant.

Es war ein friedlicher Moment – es war der letzte friedliche Moment.

Oft legen die Sandstürme einen Schleier aus kleinen Steinen über Gehwege, Autos und Fensterschreiben. Auch die bunten Farben des Klettergerüstes sind längst unter der bräunlichen Decke verschwunden. Meist laufe ich mit schnellem Schritt durch die Ortschaft, damit mich die einsame Traurigkeit, die sich über die öffentlichen Plätze ergießt, nicht vereinnahmen kann.
Doch aus irgendeinem Grund lief ich heute langsamer am Spielplatz vorbei, langsamer als sonst. Und da sah ich dich. Deine langen blonden Haare umschlungen dein Gesicht, um liebevoll auf deinen Schultern zur Ruhe zukommen. Deine blauen Augen versetzen mich in eine vor Liebe strotzenden Schockstarre.Mit deinen Händen bautest du einen kleinen Hügel aus Sand. Du warst in der Lage mit Bedacht das Element, das zum Symbol einer dunklen Zeit geworden war aus seinem Kontext zu reißen und es liebevoll spielerisch in Kunst zu verwandeln.

Du lächeltest mich an und da wusste ich sofort wer du warst.
Als du einen Schritt auf mich zu machtest, bekam ich Angst.
Mein Herz fing zu rasen und das Blut schoss mir ins Gesicht.
Ich drehte mich auf der Stelle um und rannte, ich rannte und rannte und rannte.
Ich wollte nur noch nach Hause.

Vor meine Augen verschwommen die Häuser, meine Lunge verkrampfte sich und ich fühlte mich so, als würde mir jemand mein Herz aus dem Torso reißen.

Mit letzter Kraft kam ich an meinem Haus an und ließ meinen in Qualen schwimmenden Körper auf die mit Sand bedeckte Fußmatte fallen. Mein Körper war so ausgetrocknet, dass ich ohne Tränen weinte. Bitterlich weinte.

Ich hatte meine Tochter gesehen. Meine Tochter, die vor zwei Jahren mit meinem Mann in einem der ersten Sandstürme ums Leben kam. Das Auto, in dem sie sich befanden, wurde brutale auf Seite geworfen. Es gab kein Entkommen.

Ich schleppte mich in den ersten Stock hinauf zu meinem Schlafzimmer.
Dort liege ich nun mit dem Bauch voran auf meinem Bett.
Draußen ziehen große schwarze Vögel am bunten Abendhimmel ihre Kreise.
Ich schließe die Augen und höre leise
wie die Stille eine sinnliche Melodie spielt.

Die Stille, die zu einem großen Teil meines Lebens wurde.

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Ein lieblicher Klang

Der Raum ist voller ausdrucksloser Persönlichkeiten
und voller unterdrückter Emotionen.
Die Wärme ist Zauber und Verrat.
Die Liebe ist Trägheit und Sünde.
Und das Verlangen ist pure Ironie.
Wir lernen es wohl nie,
uns dem Glück zu ergeben
und nach Sinnlichkeit zu streben.
Ich umschlinge deinen Körper und
halte ihn so fest ich nur kann.
Denn der Moment ist ein flüchtiges Spiel
ohne Gesicht und ohne Ziel.Processed with VSCO with p5 preset

Regen

So lieblich sich die Tropfen der kühlen klaren Flüssigkeit durch deine Kleidung ziehen, so störrisch prallen sie an anderer Stelle auf den aus Steinplatten gelegten Weg.
Die kühle Luft umschließt das Wasser mit leidenschaftlicher Bestimmtheit.
Er legt sich bedrohlich in einer flachen Decke auf die umliegenden Felder und rast dir durch Böen befähigt unaufhaltsam ins Gesicht.
Er trägt eine unheimlich lieblich klingende Stille, zeitweise durchbrochen von einer prasselnden Melodie.
Ein grauer Schleier hat sich über das Tal gelegt und der verführerische Duft von durchnässten Wachstum liegt in der Luft.
Regen ist laute Ruhe! Ein unangenehm feuchtes Lebenselixier.
Doch Regen ist nicht gleich Regen. Es reicht von zerstörerischer Wut bis hin zu winzigen, seicht in der Luft tanzenden. Regen ist zudem eine Entstehungsquelle von unzähligen Möglichkeiten. Die Reise eines einzelnen Regentropfens ist durch eine Unzahl an willkürlich auftretenden Gegebenheiten beeinflusst. Auch das Ankommen auf der Erde stellt den Tropfen vor eine ungewisse Zukunft. Landet er auf gelockertem Waldboden – so sickert er sofort hinab in die Tiefe. Doch landet er auf Stein, so wird die Sonne ihn bei der nächsten Gelegenheit dazu bringen seinen Aggregatzustand zu verändern.

Regentropfen habe eine vergleichsweise kurze Lebensdauer. Doch sie legen in ihrem kurzen Dasein, eine lange ungewisse Reise zurück. Bildschirmfoto 2018-05-26 um 13.03.10