Jeder Zustand hat seine eigene Zeit.

Ein Text über unerwartet Schönes, was nicht unerwartet ist. 

Jeder Zustand hat seine eigene Zeit. Dem Kontext größtes Lob, ist das Glück, welches empfunden wird, wenn es keinen Ort gibt, an dem man lieber sein möchte, als in dem vorherrschenden Moment. So sind wir zwei doch wie ein Tanz, bei der Angst und Risiko, mit Vernunft und Unvernunft umschlungen, sich zärtlich zu einem Ort bewegen, der von uns beiden nun nicht gekannt wird und sich zugleich anfühlt, als sei er schon lange unsere Heimat.
Wenn etwas, wie dieses, unerwartet Schön ist, so beginnen die Gedanken zu kreisen. Sie steigern sich, wenn man sie lässt, zu einem Tornado, der unaufhaltsam über alle Organe fegt. Niere. Leber. Herz. Gleichsam verwüstend, wie auch lindernd, zeigt die wild gewordenen Wucht an Ideen, was es meinen könnte nach Bedeutung zu streben. Bedeutung zu konsumieren. Bedeutung zu ertragen und zu betrachten und vor allem Bedeutung zu teilen. Miteinander. Für einander.
So stellt sich immer die Frage, was es zu verlieren gibt, sobald man gewinnt und was es zu gewinnen gibt, sobald man die Trägheit des Verlustes überwindet und sie mit Vertrauen übergießt?
Natürlich ist jedoch immer die Vergänglichkeit des Glücks zu überprüfen. Doch geschieht dies nur aus Angst selbst dabei verletzt zu werden, entwickelt sich Glück zu einer Last. Überprüft man die Vergänglichkeit von Glück mit wachsamem Tatendrang, der in der eigenen, sowie der gemeinsamen Reflexion mündet, so verändert dieser Vorgang das Glück an sich zu einer Beständigkeit, die sich wellenartig über das eigene Leben ausbreitet.
Unerwartet schön. Aber eigentlich gab es keine Erwartungen an uns. Passiert ist es trotzdem. Ganz ohne einer anfänglichen Idee. Ohne einem anfänglichen Ziel. Doch mit der Zeit, da sehe ich dich. Gegenwärtig. Zukünftig. Und nun auch schon in der Erinnerung. Es ist nämlich so – wenn ich loslasse, dann falle ich nun nicht mehr tief. Und das ist unerwartet schön. Ohne je einer Erwartung zu bedürfen.

Du kamst nicht gut geradeaus, aber um die Kurve schafftest du’s immer.

Wer wusste schon, wie weit wir sind, wenn wir die Welt nicht verfolgen, als sei sie die unsere?
Die Noten hängen an der Decke ohne zu verstehen, was genau für sie der Sinn ist, um nicht aufzugeben.
Ich wollte einfach verstehen, wieso deine Augen so groß werden, wenn du mich ansiehst. Aber bekommen habe ich nur diesen einen Blick. Diesen einen Blick. Diesen einen Blick.

Ich habe immer gedacht ich könnte dir einmal schreiben, um dich aufzufangen, um dir zu sagen, dass alles okay wird. Okay ist. Aber du hörtest nicht zu, als du dir den roten Schal von Valentina über die Augen zogst und dich etwas nach vorne beugtest. Du hörtest sowieso nie zu, ob mit oder ohne Schal. Für dich war alles ein bisschen so, wie für andere Urlaub. Du kamst nicht gut geradeaus, aber um die Kurve schafftest du’s immer. Ich bin geschockt von all dem was ist und von all dem was bleibt und von der Unaufmerksamkeit, die mich täglich umgibt, dabei möchte ich doch eigentlich nur verstehen, wie weit wir gehen sollten, um nicht gegen irgendeine Wand zu laufen. 

Ich verliebe mich in dich, in einem Dönerladen. Du stehst am Kühlschrank und siehst krank und gleichzeitig gesund aus und ich kann dich alles fragen. Alles was mir wichtig ist und du hörst zu und du sagst immer etwas.
Manchmal, da verstehe ich deine Antworten zwar nicht, aber das ist auch egal. Es ist egal, weil wir sowieso auf das Morgen warten, währenddessen sich Kundin hinter Kunde an uns vorbeischlängeln, als seien wir Schaufensterpuppen in unserer eigenen Run-Way-Show. 
Es war unerwartet schön, ohne unerwartet zu sein, denn wir erwartetet nichts. Nichts von uns und auch nicht von der Cola, die du nach vielen Minuten aus dem Kühlschrank fischtest. Ich frage mich manchmal, wie dir wohl die Cola schmeckt. Wie dir Wasser schmeckt. Wie dir das Leben schmeckt.
Als es zu Dämmern begann, holten wir unsere Fahrräder von der Straßenecke. Es war eine klare, kalte Nacht, die uns amüsierte. Eine amüsierende kalte Nacht, die klar war. Eine klare, amüsierende Nacht, die uns kalt um die Ohren sauste. Genauso wie die Kälte sauste, sauste auch die Zeit an uns vorbei. Und wir wachten auf, mit dem Gefühl alles zu haben, aber nichts zu verstehen. Also zogen wir weiter, auf der Suche nach der einen Tat, die alles bedingen würde. Nur um kurz darauf festzustellen, dass wir bereits angekommen. Am Anfang unserer Suche. 

Foto: Johannes Franke mit Kristina und mir in unserem Wohnzimmer.