Deine Welt gibt es schon.

Ich stehe am Kurfürstendamm. Der Kurfürstendamm. Einkaufsmeile. KaDeWe. Zu seiner Zeit ein Zauberland. Eine glitzernde Konsumstätte der Elite. Unterhaltung. Fiktion. Fantasie. Eleganz. Und ich. Ich stehe hier. 2020. Warte auf die Bahn. Das Mysterium längst dem harten Alltag gewichen. Grüne Wände. Auf jeder Bank eine schlafende Person. 5 Minuten noch. Der Schaubühnenabend steckt mir in den Knochen. Mark Waschkes Stimme schwirrt mir mit hoch philosophischen Lebensfragen im Kopf. Die Anzeige flimmert. 4 Minuten. Wer bin ich eigentlich und was habe ich von meiner Übergebung übernommen? Bin ich überhaupt Künstlerin, wenn ich mich durch die schnellen Umstände meines Alltags in einer, nach Leistung strebenden Gesellschaft verliere? Und tut genau dies ein Künstler nicht auch?

Louis Hofmann und Max Schimmelpfenning stehen an der Bar und bestellen sich eine Brezel. Ich sehe sie an und frage mich wie es sich wohl anfühlen muss: Die Einverleibung der Kunst in einem jungen Körper. Sie fangen an etwas zu tanzen. Schauspieler halt. Sind sie frei? Auf jeden Fall fühlen sie sich in der Lage ihren Körper zu ihrem Gemütszustand zu bewegen. Das kann nicht jeder. Das sollte auch nicht jeder. Aber Schauspieler dürfen das. Sie sollten es sogar. Oder?

Ich steh also am Kurfürstendamm. Einige Männer in grell-roten Warnwesten bekleben Plakate. Sie amüsieren sich sehr über das vollbusige Model. Das eine oder andere Kommentar unter der Gürtellinie ertönt. Es schnallt unaufhaltsam den Bahnhof entlang und verzerrt sich in seine Wiederholung. Wieso ist die Welt eigentlich so? So unaufhaltsam merkwürdig.

Du steckst dir einen Löffel Eis in den Mund. Ich mache ein Foto. Du siehst aus, als würdest du mit dem Eis diskutieren.
Wir diskutieren viel. Also du und ich. Wir wollen auch viel. Kunst, Liebe, Leben, Momente, Innovation. Weiterkommen. Nicht zuletzt sehe ich dich oft an und suche nach Erklärungen in dir, die eigentlich aus mit kommen müssten. Zwei Murmel- Seelen eben, die ihre Bahnen noch nicht gefunden haben. Und sich doch entschließen zusammen zu kullern.

Nun laufe ich mit meinem Handy vor der Nase von der U-Bahn zu mir nach Hause. Ich merke wie hinter mit jemand näher kommt. Schnellen Schrittes. Neben mir taucht ein Weihnachtsbaum auf, über den ich fast stolpere. Ich bin erstaunt über die Tatsache wie sich manche Menschen so lange das Weihnachtsfest erhalten.
Kann moderne Schreib und Dichtkunst überhaupt noch etwas romantisches haben, wenn es auf kleinen flimmernden Bildschirmen entsteht? Oder sollten wir Dichterinnen und Denkerinnen nicht auf Papier zurückgreifen, um jedem Wort seine individuelle Emotion zu geben? Die Person hinter mir holt mich ein. Und zieht vorüber. Sie isst Hühnchen aus einem Plastikbehälter. Ich frage mich was schlimmer ist. Das Festhalten von Schrift auf Mini-Computern oder Nahrungsmittel mit Erdölummantelung?

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