Eisen und Zucker

*Nichts an diesem Text ist autobiografisch. Er ist ein Zusammenschluss eines Traumes, der von meinem letzten Filmdreh beeinflusst ist und weiterführenden Gedanken. Mama, bitte mach dir keine Sorgen.

Ich sah ihn an. Nichts ahnend, dass hinter seinen Augen die Energie eines Wolfes schlummerte. Seine gewellten Haare legten sich spielerisch um sein Gesicht.
Ich gab ihm alles, was ich hatte. Nur um zu sehen, was er damit machen würde.
Er trug ein Stück Fell um den Nacken. Es bäumte sich auf, wenn er zu lachen begann.
Wo ist der Anfang? Fragte ich mich. Wo ist der Anfang von allem Übel?
Als er zugriff wusste ich bereits, dass ich gefangen war. Gefangen in einem Strudel aus Zufällen, die mich zu diesem Ort brachten. Fernab von der Stadt. Fernab von der Sicherheit, in die ich mich tagtäglich einhüllte.
Ich musste kämpfen. Es ging nicht anders. Also stach ich zu.
Das Messer hatte mir eine alte Dame gegeben. Sie saß hinter einem vollgestellten Flohmarkttisch. Mich fest im Visier. Ihre Augen waren hellblau und ihr Gesicht halb in sich zusammengefallen.
Sie gab mir das Messe für sieben Pfund. Es hatte eine Feder eingraviert. Einmal, als ich auf die Bahn wartete, zählte ich meine Adern, die durch die Haut meines Handgelenk schimmerten, wenn ich das Messer mit aller Kraft festhielt. Doch wo beginnt eine Ader und wo findet sie ihr Ende? Im Herzen? In der Klinge? Im Unaufhaltbaren?
Ich liebe den Menschen, zu dem ich wurde, als das Blut an sich an der Messerspitze sammelte und zu Boden tropfte. Als nächstes spürte ich seine Faust in meinem Gesicht. Danach wurde alles Schwarz.
Was macht den Menschen zu einem Menschen? Ich glaube es ist die Fähigkeit Rache zu nehmen.
Nicht sofort zuzubeißen, sondern von langer Hand zu planen und sich auszumalen wie der Moment sein wird, indem man sich seine Macht zurück holt.
Macht ist sowieso etwas Sonderbares. Macht ist eigentlich eine Illusion. Sie kann nicht ohne einen Machtlosen passieren. So wie die Rache auch. Rache ist auch eine Illusion, die nicht von alleine passiert. Auch das Blut ist eine Illusion und so die Klinge am Messer, das ich nun ins Sonnenlicht hielt. Das Blut war getrocknet. Blut hält nicht gut an glatten Oberflächen, aber ich sah hier und da einen kleinen roten Fleck.
Mein rechts Auge war zugeschwollen, was den Besuch im Supermarkt spannend gestaltete.
Ich fühlte mich wie eine Kriegerin, als ich mit einer Cornflakes Packung zur Kasse lief.
Das war mein Moment und er schmeckte nach Eisen und Zucker.

Inken Paland 6 – LEON Actors & People © Fotograf Clemens Bauerfeind