Das musste mal gesagt werden

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Es ist mal wieder ein ganz normaler Tag.

Ich stehe auf und knalle mit dem Kopf gegen mein noch schlafendes Einhorn.

Warum Einhörner im Stehen schlafen, ist mir ein Rätsel. Kommt bestimmt daher, weil sie mit Pferden verwandt sind.
Aber ich bin immer noch der Meinung, dass ein Einhorn doch eigentlich der Inbegriff von Perfektion sein sollte. Und eine perfekte Kreation schläft definitiv im Liegen. Eingemummelt in Herzkissen und Daunendecken mit einem kleinen Teddy im Arm der ein Herz auf den Bauch genäht hat.

Naja, mein Einhorn liegt nie. Es steht. Hat das eine Vorderbein leicht eingeknickt und schnarcht leise vor sich hin, während ich mir schmerzerfüllt über die Stirn streiche.

Ich torkel ins Bad und öffne den Spiegelschrank. So einer der in Horrorfilmen immer benutzt wird. Ich mache ihn zu und erschrecke mich tierisch, eben wie im Horrorfilm, vor der kleinen Gewitterwolke, die es sich über meiner Badewanne bequem gemacht hat.
Ich erschrecke mich sogar so doll, dass mir mein Herz ins Gehirn hüpft.
Von da an sehe ich alles nur noch in rosa. Aber nicht so ein liebliches Rosa, eher so ein gehirnfarbendes Rosa. Das macht auch Sinn.
Ich drehe mich zur Gewitterwolke um und frage sie schlaftrunken, was sie bitte in meinem Bad zu suchen hat.
Sie antwortet in einem britischen Akzent. Sagt sie hat Angst sich nicht mehr frei in Europa bewegen zu können und sei daher ausgewandert. Nach Deutschland. Nach Berlin. In mein Badezimmer.

Ich seufzte tief. Meine Nachbarn kommen sowieso nicht mehr vorbei, seit ich das Einhorn habe. Frau Raabe von neben an hat mir sogar gedroht sie würde mich bei dem Vermieter melden. Es sei laut Mietvertrag verboten größere Tiere als Katzen in der Wohnung zu halten. Der Vermieter wird mich und mein Einhorn dann aus der Wohnung schmeißen und ich würde für immer auf der Straße leben, weil der Wohnungsmarkt in Berlin einem Schlachtfeld gleicht. Und Einhörner sind sehr schlechte Kriegshelden. Wo sie recht hat.

Ich schätze den Sachverhalt jedoch so ein, dass Einhörner in Mietwohnungen mehr so eine Grauzone sind.

Noch habe ich keine Mahnung von dem Vermieter erhalten. Er denkt jetzt sicher nur, dass Frau Raabe verrückt ist. Es gibt ja schließlich keine Einhörner. Ha! Richtig blöd für meine Nachbarn, dass ihnen keiner glaubt. Witzig wie das Gehirn funktioniert. Wenn man fest daran glaubt, dass es etwas nicht gibt, dann existiert es auch nicht.

Ich denke kurz nach und erlaube der Gewitterwolke zu bleiben. Einzige Bedingung, sie muss sich um das Gießen meiner Topfpflanzen kümmern und darf nur den Toaster ab und an mit Blitzen massakrieren. Sollte eine Sicherung raus fliegen, muss sie dem Einhorn Bescheid sagen, diese wieder rein zu drehen.

Der Deal steht.

Ich gehe zur Arbeit. Irgendwie ist eine Welt, die in gehirnrosa gefärbt ist gar nicht so schlecht anzusehen.
Der Arbeitstag ist harmlos. Ich kippe Kaffee über meinen Laptop und erwische meine Chefin, wie sie den Jogurt meiner Kollegin auffrisst. Sie wird rot und rennt aus der Küche. Später finde ich einen Umschlag mit der Aufschrift WEHE DU REDEST (zusammengewürfelt aus Zeitungsschnipseln) in meiner Schublade. Der Inhalt: 10.000 Euro. Ich nehme das mal so hin.

Zuhause angekommen. Der Stromkasten ist voller Glitzer. Vielleicht muss die Gewitterwolke wieder ausziehen, denke ich.
Im Wohnzimmer sitzt sie auf dem Sofa und guckt the Mentalist.
Ich setze mich zu ihr und vergrabe meinen Kopf hin ihrem Körper.

Ohje, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie flauschig Gewitterwolken sind.

 

Die Pfütze aus Glück

msp_1104_8117Es hat nur einen kleinen Moment gedauert,
einen klitzekleinen Moment, in dem ich nicht aufpasste.
Ich stolperte und knallte mit voller Wucht in die Zufriedenheit.

Jetzt liege ich hier, mitten auf dem Bürgersteig,
seit Stunden auf dem Rücken,
in einer Pfütze aus Glück
und niemand scheint es zu interessieren.

Menschen ziehen vorbei.
Ich beobachte ihre Schuhe.
Dreckige High Heels, polierte Anzugschuhe.
Ein Mann mit Hut wirft mir eine Münze auf den Bauch.
Langsam wird es dunkel. Das Dröhnen der vorbeiziehenden Autos wird leiser.
Die Sterne zeigen sich am Himmel.

Ein trauriger Hund torkelt vorbei.
Er kringelt sich, an meine Hüfte geschmiegt, zu einem kleinen Ball zusammen.
Ich fange langsam an meine Arme und Beine zu bewegen. Es entsteht ein Glücks – Pfützen – Schnee – Engel. Der Hund fängt leise an im Schlaf zu bellen.

Ich starre daraufhin in die Nacht.
Wer hätte das gedacht.
Seit Tagen fühle ich mich
mal wieder wach.

Chicago

Es sieht alt aus hier drin.
Die Leute reden langsam, schnell, schneller.
Die Türen gehen auf und wieder zu und auf und wieder zu.
Das ist keine wirkliche Wahl, die ein Einheimischer treffen würde,
sich in eine solche Situation zu begeben.
Doch ich als unwissendes Mädchen bin hier, um alleine großartig zu sein.
Ich lutsche ein Ingwer Kirsch Bonbon und werde dabei durchgeschüttelt, von der alten Bahn ohne Stoßdämpfer, von dem Leben ohne Sicherungsseil.
Was für ein Leben, was für ein Leben!

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