Die Reise

 

Es geht hinauf bis die Wolken mich umkreisen. Ich schmecke und atme ihre Anwesenheit. Ich öffne meine Brust und lasse den Schmerz entweichen.
Er flattert mit lauten Flügelschlägen davon.
Meine Gedanken und Gefühle füllen den Ozean der am Ende des Kliffs seine tödliche Kraft unter Beweis stellt.
Ich blicke in die Ferne und vor mir baut sich ein Bild der Seligkeit auf.
Ich spüre die Existenz der Berge auf meine Haut. Den Kreislauf der Natur in meinem Kopf.
Ich fühle wie schwindelig mir wird, von der Freiheit, die sich unaufhaltsam über meine Organe ergießt.
Wo bin ich hier nur rein geraten und wie schaffe ich es mich möglichst so ungeheuerlich zu verlaufen, dass ich nie wieder meinen Weg in den Alltag zurück finde?
Ich biege sieben Mal falsch ab und bin am Ende dennoch am richten Ort.
Ein kleiner Pfad liegt mir zu Füßen. Die Bäume streicheln mit ihren Blättern mein Herz. Die Stille ist unwahr, denn zahlreiche Töne der Tierwelt schwirren durch die Lüfte, als gebe es kein morgen mehr. Was ist, wenn es wirklich kein morgen mehr gibt?
Ich lasse meinen in Glück ertränkten Körper ins nasse Gras sinken.
Was ist, wenn es kein morgen mehr gibt, denke ich erneut.
Ich schließe die Augen und verstehe, dass die Wahrscheinlichkeit eines morgigen Tages geringer ist, als die wahrhaftige Gegenwart. Doch das Gefühl dafür verliert sich, wie ein Regenbogen an einem wolkenlosen Tag.
Ich lasse meine Gedanken aus meinem Kopf wandern und sende sie ein kleinen durchsichtigen Ballons Richtung Himmel.
Was ist, wenn es wirklich kein morgen mehr gibt?

Ich vertraue mir.

Ich schlage die Augen auf. Ein neuer Tag ist angebrochen.
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Zu früh, um die Sonne zu sehen

Das öffentliche Leben ist im Zeitalter der Digitalisierung eine Bühne,
die keine Zuschauer mehr hat.
Es passiert eine Show der endlos Daten produzierende Leere – in Bahnen und in U-Bahnhöfen, in Einkaufszentren und Hotelhallen.
Doch ab und an gelingt es jemandem sich der konzipierten, sich hinter Bildschirmen versteckten Realität zu entziehen.
Doch alles was er zu sehen bekommt, ist der glückliche Zauber eines mit Pixeln durchfluteten Schmerzes.

Der Schmerz der Menschheit gleicht einem unverzeihlichen Drang zu Selbstdarstellung vor vorgehaltener Hand, kombiniert mit der traurigen Gewissheit der in der Vergangenheit liegen gebliebenen Möglichkeiten.
Doch das Verzeihen von Fehlern und bereuten Momenten ist essentiell,
um  die Weiten des zukünftigen Glückes mit beiden Händen auszuschöpfen.

Ich möchte an dieser Stelle weiter ausholen:
Wenn du dich vor den Bergen wieder findest, geht der einzige Weg diese zu verstehen einher mit der Gewissheit, dass beide Beinen den Boden zu verlassen haben.
So stehst du unten und blickst hinauf, fühlst dich unendlich klein und doch so ermutigt.
Du fühlst dich so beschwingt und doch so unbedeutend,
während oben der Schnee seine Bahnen zieht und die Kälte keine Kraft verliert.
Du verstehst, dass es Orte auf der Welt gibt, an die du gehst, um zu realisieren wie klein deine Probleme sind.
Ich bin gereist, um zu verstehen, wer ich sein könnte oder wer ich war.
Doch nun ist es passiert und ich kann nicht mehr zurück.
Denn jetzt sehe ich mich mehr als je zuvor.
Ich sehe mich in jeder Zelle meines Körpers.
Herzzerreißender Weise auch in jedem Pixel meiner Social Media Profile.
Doch es ist nicht mehr die Pflicht, die mich voran treibt.
Es sind nicht mehr die Worte und die Erwartungen.
Nein, meine Gedanken machen Vorwärtsbewegungen mit jedem noch so kleinen Schlag meines Herzens.
Ich bin nicht angekommen. Aber ich, ich bin gegangen.
Viel zu weit, um umzukehren.

blllllll