Wortbausteine

Heute habe ich mir vorgestellt,
eine Welt,
in der alle Wörter und Gedanken physisch und an fassbar sind,
sodass man sie geschwind,
wie ein Kind in der Hand kann halten,
um sie nicht im Wald wie ein Echo veralten.
Die Welt wäre also voller Gedankenbauklötzen, Wortstofffetzen und Emotionskisten an der die Eine oder der Andere herum sägt
und welche man oft mit sich rum trägt,
weil sie was bedeuten.
Sie wäre auch voll mit Leuten,
die mit großen Taschen hinter Hecken,
versuchen würden ihre zu Boden plumpsenden Gedanken zu verstecken.
Auch ich hätte wahrscheinlich sehr schlimme Rückenschmerzen
von meinen immer zu verwendeten sarkastischen Scherzen,
die ich in einem Beutel hinter mir hertragen muss,
damit nicht zu allem Überfluss,
jemand drüber fällt
und beim Fallen eine lautstarke Rede hält,
gespickt mit unzähligen Schimpfworten,
die dann verstreut an tausenden Orten,
auf dem Boden liegen würden,
für kleine Kinder dann als Spring – Hürden verwendet,
möglicherweise daraufhin die gute Erziehung verendet.
Das würde ich ja nicht wollen,
daher meine Scherze nicht auf dem Boden liegen sollen.
Doch spinnen wir das ganze mal weiter,
bräuchte man wohl eine Leiter,
um sich im Kindergarten durch die ganzen
„meine Mama hat gesagt ich darf das“
„und ich glaube meine Hose ist schon wieder nass“
zu kämpfen.

Im Bürgeramt würde ich Farbe mitnehmen,
um die ganzen grauen Gedankensteine voneinander abzuheben
und der Politiker wohl haben muss,
einen großen Lügen- wegkähr Bus.

Der Verkäufer an der H&M Kasse,
seinen Gedanken „Wie ich meinen Job nur hasse.“
Neben den Worten:
„der nächste bitte ist dran.“
Hinter sich aufstapeln kann.

Der Emo ist nicht sonderlich froh,
dass nicht ein einzelnes
„mein Leben hat keinen Sinn mehr“ und
„ich zerbreche unter der Last.“
In seinen Schrank mehr passt.

Und ich könnte Buchstäblich in meinem Selbstmitleid baden
und Freunde einladen,
die ich dann mit meinen Trauervierecken abschmeiße,
mir daraufhin sehr wahrscheinlich eine Wunde aufreiße.
Die entstandenen Watte ähnlichen Heullaute benutze ich jedoch ganz wie ein Killer,
als Blutstiller.
Und während sich meine Heullaute mit meinem Blut vollsaugen,
traue ich nicht meinen Augen,
meine Freunde mir doch wirklich echt,
entgegen schmeißen, verkleidet als Krieger,
„Inken, das wird schon wieder“– Papierflieger.

Und während die „Das wird schon wieder“ Papierflieger durchs Badezimmer streifen,
versuchen mich meine zornigen Wörter ganz realistisch anzugreifen.
Und die Gedanken über meinen Exfreund ziehen auf den Fliesen Dauerschleife
und hinterlassen dabei fiese Töne,
an die ich mich nicht gewöhne,
weil sie wie Motten an meine Augenlider knallen,
meine genervten Gedanken sich nun durch ihre Klammerform an meinem Arm festkrallen.

Ich stehe aus der Badewanne auf und ziehe mich an,
vergessen habe ich, dass meine Schwester heute das „Ja“ Wort sagt,
zu ihrem fast Ehemann,
die Freunde gehen,
aber im Wege stehen,
mir meine Stressgedanken.
Die sich vor mir auftürmen wie Blumenranken,
die durch kleinen Berührungen durchstechen meine Haut,
und auch hier entsteht einer weiterer schmerzverzerrten Laut,
der als schwere Kugel scheppernd zu Boden fällt,
mich jetzt aber nichts mehr aufhält und ich zur Tür raus rase.
Dabei falle ich vor dem Taxi fast auf die Nase.
Auf der Rückbank haben die Gäste davor einige erregt perversen Gedanken zurück gelassen,
ich kann es vor lauter Stress nicht lassen mich einfach drauf zu setzen,
das war ein Fehler, denn der Fetzen,
von Kleid den ich trage ist nun feucht.

Meine entrüsteten Gedanken nun dem Taxifahrer versperren die Sicht,
er klatscht mir wütend Wortblasen ins Gedicht.
Ich zwinge mich still zu sein.
Zum Glück fällt mir auf dem Weg nicht mehr viel ein.

Angekommen sehe ich die ganzen kleinen Neidsonnen der Trauzeugen auf dem Boden rum rollen,
die, ob sie es nun wollen,
von meinen Liebesgedanken hoffnungslos zerquetscht werden,
als ich meine Schwester erblicke,
ich an meinem „Wie kann man nur so wunderschön aussehen“ Satz fast ersticke,
der sich als riesen große Luftballonreihe aus meinem Kopf zieht.

Oh Gott bin ich verliebt,
in ihr Kleid.
Sich eine kleine Neidsonne zu ihren zermatschten Geschwistern reit.
Doch dann ist es schon so weit.
Der Pastor fragt ob jemand gegen die Ehe sei,
Hans, Max und Peter sind hastig dabei ihre in Liebeskummer getränkten Gedanken in ihren Hosentaschen zu versenken.

Aber ich komme hier zum Schluss
dieser Gedanke wohl ausgeartet sein muss,
aber nicht notwendig ist der Verdruss,
denn gleich gibt’s von mir süße Gedanken, die ihr mit Genuss,
essen könnt.

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