Für Berlin

Ein alter Text aufgegriffen, um einen neuen zu konstruieren, für Geschehnisse, dessen Erklärungen im Dunkeln verweilen. 

Du, du bist herzlich und schmerzlich und scheinst heute im Kerzenlicht.
Du bist weise und leise und nimmst mich auf eine große Reise.
Du bist friedlich und kindlich und befindlich und sinnlich und traurig.
Drum trau dich zu trauern und zu bedauern du wirst es überdauern, diesen Tag.
Ach Berlin, wie ich dich mag.
Die Stadt sitzt nun vor mir, aber nicht zusammen gekauert auf der Lauer nach Trauer.
Sie sitzt eher vor mir wie ein Multikulti-Hipster,
der sich heute seine blöden Sprüche erspart,
weil er doch etwas gefasst ist und kurz in seiner nachdenklichen Stellung verharrt.
Sie guckt mich mit müden Augen an.
„Jetzt war ich wohl dran“, seufzt sie.
Ich schüttel den Kopf.
Ich verstehe das wohl nie, diesen Hass auf die Last der Vernunft.
Diesen Hass auf das Bieten von Unterkunft.
Diesen Hass, auf die Liebe und die Liebe auf den Hass.
Ich biete ihr ein Glas
Tee an.
„Man du ey“, blödelt sie mich an.
„Sehe ich aus wie eine Stadt die Tee vertragen kann? Wo ist das Bier hier?“
Ich lächle verhalten und gebe es ihr.
Wir sitzen nur so da. Für einen Moment.
Der Himmel ist dunkel und ihr großes Herz brennt.
Doch ich sehe es ihr an.
Heute ist nicht das Ende, heute ist ein Anfang.
Wir werden weiter unfreundlich sein und wir dreschen weiterhin mit blöden Kommentaren auf dich ein, wenn du uns beim Aussteigen aus der U-Bahn im Wege stehst.
Wir sind weiterhin verplant und bunt und rund und tuen Kund unseren Unmut über alles was nicht gut – läuft.
Wir helfen weiterhin unseren Nachbarn, und klauen überall das WLAN.
Wir finden weiterhin die Anziehsachen unserer Großeltern zum schreien und ziehen uns in der S-Bahn noch ein Wegbier rein. Türsteher werden weiterhin umarmt und Polaroid Bilder eingerahmt.
Denn es ist keine Zeit für Angst in unseren Herzen und keine Zeit für Hass bedingt durch unsere Schmerzen.
Wir sitzen hier an meinem Küchentisch. Die Stadt und ich.
Ganz unverbindlich. Für einige Stunden, werden unsere Gedanken die Welt umrunden. Bis ich verstehe, dass wir es in der Hand haben was zu ändern.
Also here we go:
Ich schneide Konfetti aus Bierdeckeln
und schmeiße sie über den Fernsehturm.
Ich laufe ein Wettrennen in Gummistiefeln
mit den Stand-Up Paddlern auf der Spree.
Ich tanze mit der Frau vom Ordnungsamt über den Ku’damm
und umarme jeden in der M11 Tram.
Ich verteile Gummibärchen im Bürgeramt
und fülle Schlaglöcher mit Sahne.
Ich baue auf dem Alexanderplatz ein Zirkuszelt aus Primark Tüten,
indem jeder ungehemmt tanzen kann.
Ich entwerfe ein Raumschiff aus Herzballons
und schwebe damit über das Tempelhofer Feld,
bewerfe dabei die Drachensteiger mit Liebesbriefen.
Die Welt ist gut. Berlin. Und auch wenn du den Mut
Verlierst Berlin.
So wirst du am Ende nicht alleine steht Berlin.
Du bist die Heimat und das Land, du wirst von mir niemals verkannt.
Heute legen wir eine Blume nieder und morgen rennen wir wieder.
Du bist oft gefallen Berlin. Aber hast immer gefallen, am Aufstehen Berlin.
Du bist alles was ich bin Berlin. Und ich sehe einen Sinn Berlin.
In deiner Freiheit.

fur-berlin

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