Der Tag, an dem ich vergaß Angst zu haben

Ich muss euch offen sagen, dass sich meine Tage oft voneinander unterscheiden.
Meist wache ich auf und die Welt ist so ganz anders, als am Abend davor.
Eigentlich ist das paradox, denn das Zimmer in dem ich aufwache, das Bett in dem ich schlafe, die Seite des Bettes, welche ich für mich beanspruche – sind zu einer hohen Prozentzahl immer gleich. Auch der Ton des Weckers ist der Selbe und verfluchen tue ich ihn mit einer gewiss gleichbleibenden Intensität.
Aber doch ändert sich mein Leben von Tag zu Tag so drastisch,
dass mir immer etwas schwindelig wird.
Heute beispielsweise, heute bin ich aufgewacht und
hatte für einen Moment vergessen, dass ich Angst habe.
Ziemlich untypisch.
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Ich habe Angst vor vielen Dingen. Vor dem Scheitern zum Beispiel oder vor dem Nachbarn aus dem 1.OG, U-Bahn Kontrolleuren geben mir auch ein ungutes Gefühl (auch
wenn ich immer eine Fahrkarte habe) oder die US Wahl, die für die Meisten von uns ein wenig gruselig ist.
Außerdem habe ich Angst vor zu wenig Schlaf, vor der Müllabfuhr, oder vor dem fliegen in einem Flugzeug.
Aber heute Morgen war einfach keine Angst in meinem Körper vorhanden.
Als ich das bemerkte, hätte ich mich um ein Haar tierisch an meinem Frühstück verschluckt.
Das darf doch nicht wahr sein! Wo war meine ganze Angst hin?
Ich hatte ja schon fast Angst davor, keine Angst zu haben. Puh.
Aber ich fackelte nicht lange. So ein Zustand hält möglicherweise nur einige Minuten.
Angstfrei zu sein, ist ziemliche gefährlich sag ich euch.
Aber das ist einem egal, denn man hat ja keine Angst vor der Gefahr.
Ich baute mit meiner neugewonnen Freiheit ein Haus aus Marshmallows für meinen Neffen. Eigentlich habe ich Angst davor Kindern mit ungesundem Essen irgendwie weh zu tun. Mein Neffe hat mein ungewöhnlicher Sinneswandel jedoch eine Menge Spaß bereitet. Nur mein Bruder war ziemlich sauer, nachdem der Kleine durch den Zuckerschock mit seinem Bobbycart an allen Wänden lang „ratschte“, was super schöne rote Striche hinterließ.
Das brachte mich, warum auch immer, auf die Börse.
Ich kaufte planlos Aktien und wurde in Minuten zum Millionär.
Ich bereitete eine Präsentation vor, über ein Material, das ich zuvor unter meinem Bett gefunden hatte, welches den Bau eines Weltraumlifts ermöglichte.
Das wurde dann von der NASA gekauft.
Ich gründete ein Unternehmen, welches Roboterbienen produziert und entwarf einen Anzug der Frauen in gefährlichen Situationen einfach weg beamte, an einen Ort, an dem sie Karate lernen und es in einer goddie bag am Ausgang eine Superpower umsonst mit nach Hause gibt.
Ich stellte mich für 100.000 Menschen und sprach über eine bessere Welt, um im Anschluss einen Tee zu mischen, der jeden Menschen glücklich macht.
Doch der Zauber nahm ein abruptes Ende, als ich meinem Vermieter das mit der eingebauten Katzenklappe in der Haustür erklären wollte. Da war sie plötzlich zurück. Aber sie sah etwas schwächer aus, sie war nicht mehr so dominant.
Das machte sich dann auch wirklich in den nachfolgenden Wochen bemerkbar.
Zum Abschluss gibt’s dann nur noch eine Frage: „What would you do if you weren’t afraid?“

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